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Cowboy Boots - ein amerikanischer Mythos
Cowboystiefel sind ohne Frage der berühmteste Modebeitrag aus Amerika. Vielleicht sogar noch typischer als die weltbekannte Blue Jeans.
Schon seit tausenden von Jahren haben sich Reiter auf gutes Schuhwerk verlassen. Im fünften Jahrhundert trugen Attilas Hunnen bereits Stiefel mit hohen Schäften, die Reiter des Dschingis Khan Reiterstiefel in den mongolischen Steppen. Spanische Siedler und mexikanische Hirten trugen hohe Reiterstiefel mit Sporen.
Arbeitskleidung und Lebenseinstellung
Als in der Mitte des 17. Jahrhunderts der Westen von Nordamerika besiedelt wurde, gründeten immer mehr Viehzüchter Ranches in den großen Prärien, um die sehr schnell wachsenden Städte des Ostens mit Fleisch und Leder zu versorgen. Vor dem Bau der Eisenbahn mußte das Vieh über unvorstellbar große Strecken und weite Gebiete getrieben werden. Mit den Cattle Trails wurde auch ein neuer Berufsstand geboren: Der Cowboy.
Für uns heute das Symbol für Freiheit und Abenteuer, waren damals Cowboys hart arbeitende Saisonkräfte. Sie wanderten von Ranch zu Ranch über die unendliche Weite des Westens und dabei verdienten und besaßen sie wenig. Für die Cowboys waren die Cowboy Boots ihre wertvollsten Besitztümer. Sie hatten nicht viel außer ihrem Pferd, Sattel und ihrer Arbeitskleidung. Gute Boots waren neben dem obligatorischen Hut Ausdruck von ihrem Stand und ihrem Stolz auf ihre Zunft.
Frag' einen alten Cowboy, warum Cowboys so wenig laufen. Er wird wahrscheinlich antworten: "Wenn Gott nicht gewollt hätte, daß der Mensch ein Pferd benutzt, so hätte er ihn nicht am Unterkörper geteilt und zwei Beine gegeben, die in Cowboystiefel passen."
Bis in die sechziger Jahre des 17. Jahrhunderts bezeichnete man Cowboystiefel meistens als Work-Boots. Sie hatten Schäfte, die zum Schutz bis über die Knie reichten und waren meist aus schwarzem Leder genäht mit flachen Absätzen und mit dicker Sohle. Die Steigbügel der Arbeitssättel waren meist sehr breit und aus Holz gefertigt. So daß die ersten Work-Boots noch keine typische Spitze hatten.
Die meisten Work-Boots waren handgearbeitete Einzelstücke, die individuell für ihre Träger gefertigt wurden.
Als in den siebziger Jahren die Steigbügel schmaler wurden, hatte dies auch Einfluß auf die Stiefel. Die Stiefel wurden spitzer und bekamen eine hohe Sohle. Die Vorteile lagen darin, daß man durch die geformte Spitze der Stiefel besser in die Steigbügel schlüpfen konnte und durch die hohen Absätze besseren Halt hatte.
Von der Funktion zur Mode
1875 kam die so genannte Cowboy-Mode auf. Plötzlich gab es Westernstiefel aus verschiedenen Lederarten, mit verschiedenen Farben und genähten Applikationen. Dabei stand anfangs dafür nicht die Mode im Vordergrund. Um die Stiefelschäfte zu stabilisieren, vernähte man mehrere Lederschichten und versah diese mit Steppnähten. Das Resultat waren kunstfertige Muster und Farbkombinationen. Abbildungen in den Katalogen dieser Zeit belegen den interessanten Trend der Modeschöpfer, die auch "saddle dandies" genannt wurden.
Die Herstellung war auch in dieser Zeit noch ausnahmslos Handarbeit und mancher "Bootmaker" wurde durch seine Handwerkskunst berühmt. Pro Monat konnte ein guter Schuster bis zu 12 Paar Cowboystiefel herstellen.
Die Preise der Westernstiefel rangierten damals zwischen drei und fünf Dollar für ein Paar, abhängig von Leder, Schafthöhe und Hersteller.
Hollywood macht Cowboystiefel weltberühmt
Als um 1920 Hollywood den Mythos "Cowboy" entdeckte und verfilmte, änderte sich die Mode der Westernstiefel erneut. Aus der einstigen Arbeitskleidung, die Cowboys vor Gebüsch, Kakteen, Klapperschlangen sowie Wind und Wetter schützten, wurde ein Modeaccessoire. Die Schäfte schmückten farbenfrohe Applikationen und Motive, die Ledersorten variierten mehr und mehr. Viele typische Motive für die Verzierung der Stiefel waren: Sterne, Mond, Herzen, Spielkarten, Adler, Flammen, Hufeisen, Flaggen der Bundesstaaten oder die Namen der Besitzer.
Aber auch die Herstellung der Western-Boots veränderte sich. Einzelne Stiefelhersteller verschwanden oder sie gründeten Boot-Companies, die es teilweise noch bis zum heutigen Tag gibt, wie z.B. Tony Lama.
Ab 1930 wurden Cowboystiefel über Bestellkataloge in alle Regionen Amerikas vertrieben. Viele dieser Kataloge sind heute noch erhalten und Zeuge der Cowboystiefelmode der damaligen Zeit.
Schwarze Zeiten für Westernstiefel
In den fünfziger und sechziger Jahren des Rock'n'Roll mit Elvis und den Beatles trat die Mode der Westernstiefel mehr und mehr in den Hintergrund. Trauriger Tiefpunkt war das Erscheinen von Stiefeln aus Kunstleder und Plastiksohle.
Aber in den siebziger Jahren kam die Renaissance der Cowboystiefel, als viele Musiker von berühmten Rockbands wieder Boots und oft sogar Cowboyhüte trugen. Die Mode übertrug sich auch auf Motorradfahrer, in der damaligen Erscheinung der "Rocker".
Cowboystiefel heute
Anders als in Amerika, wo Cowboystiefel zu ständigen Modeaccessoires gehören, wurde die Modeerscheinung in Europa und speziell Deutschland durch Filme, Schauspieler und Musiker beeinflußt. So setzten in den Achtzigern Tom Cruise im Film "Top Gun" mit seinen Boots oder Madonna in ihren Videos immer wieder Modeakzente auch in Europa.
Für viele Menschen in und außerhalb von Amerika sind Cowboystiefel nicht nur ein Kleidungsstück oder Modeaccessoire sondern Ausdruck einer Lebenseinstellung. Ausdruck von Individualität, Unabhängigkeit, Freiheit und Abenteuer. Cowboy Boots können so persönlich und ausdrucksstark wie ein Tattoo sein - mit dem Vorteil, daß man sie nachts ausziehen kann.
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